ERNÄHRUNG UND LIFESTYLE
Hormone testen lassen: Das sagt Dir ein Hormon-Test
20. März 2025

Geschrieben von
Dennis Hermann

Überprüft von
Anna Erat, MD, PhD
Fühlst Du dich oft müde, unausgeglichen oder schläfst schlecht? Leidest Du an Verdauungsproblemen oder Gewichtszunahme? Frierst Du oft oder hast du ein zunehmendes Durstgefühl? Leidest Du an Depressionen oder peri-menopausalen Beschwerden? Hormone steuern fast alles in Deinem Körper – und ein Ungleichgewicht kann spürbare Folgen haben.
Wie Du Hormone testen kannst? Wir zeigen es Dir.
Was sind Hormone und warum sind sie wichtig?
Hormone sind Botenstoffe, die von unseren endokrinen Drüsen produziert und ins Blut abgegeben werden. Sie regulieren lebenswichtige Körperprozesse, indem sie verschiedenen Organen sagen, was sie wann tun sollen. Ob Stoffwechsel, Immunsystem, Appetit, Wachstum, Stimmung, Stress oder Fortpflanzung – Hormone sorgen dafür, dass alle Körpersysteme in Balance bleiben und reibungslos funktionieren. Fast jedes Hormon kannst Du sogar von einem Arzt untersuchen lassen.
Welche Hormone kannst Du testen lassen?
Vitamin-D ist strenggenommen eine Art Hormon, weil der Körper es selbst produzieren kann. Im Labor wird Vitamin D jedoch üblicherweise als Vitamin aufgelistet. Hier findest du übersichtlich, welche Hormone bei Frauen und Männern typischerweise getestet werden (auch wenn alle Hormone bei beiden Geschlechtern immer mindestens eine kleine Rolle spielen):
Hormone | Frauen | Männer | Bereich |
---|---|---|---|
Cortisol | Stress, Energie | ||
DHEA-S | Vitalität, Alterung | ||
FSH | Eierstockfunktion, Fruchtbarkeit | ||
LH | Eierstockfunktion, Fruchtbarkeit | ||
Östradiol | Stimmung, Sexualfunktion, Knochengesundheit, Kreislaufgesundheit | ||
Progesterone | Zyklus, Fruchtbarkeit, Stimmung | ||
Prolaktin | Zyklus, Fruchtbarkeit, Stimmung | ||
Testosteron frei (biologisch aktiv) | Vitalität, Stimmung, Libido, Muskelaufbau | ||
Testosteron gesamt | Vitalität, Stimmung, Libido, Muskelaufbau | ||
TSH | Stoffwechsel, Energiemetabolismus, Schilddrüsenfunktion |
Warum proaktiv Hormone testen?
Ein proaktiver Hormontest ermöglicht frühzeitige Erkennung, Optimierung und Prävention.
Frühzeitig Probleme erkennen
Bereits eine leichte Erhöhung des Schilddrüsen-stimulierenden Hormons (TSH) kann ein Hinweis auf beginnende Schilddrüsen-Unterfunktion sein.
Gesundheit und Vitalität optimieren
Auch gesunde Menschen profitieren davon, ihre Hormonwerte zu kennen. Fühlst Du Dich oft müde oder nicht ganz wohl? Ursache könnte ein kleiner, leicht korrigierbarer Mangel sein, etwa Schilddrüsen-Unterfunktion, niedrige Vitamin-D- oder Testosteronwerte. Massnahmen wie Ernährung, Sport oder gezielte Supplemente und Medikamente können hier deutlich helfen.
Krankheiten vorbeugen
Viele chronische Erkrankungen hängen mit hormonellen Störungen zusammen. Chronisch erhöhte Cortisolwerte, etwa durch anhaltenden Stress, fördern langfristig Bluthochdruck, Schlafprobleme und Gewichtszunahme. Durch frühes Testen und gezielte Gegenmassnahmen lässt sich Schlimmeres verhindern.
Personalisierte Erkenntnisse statt Rätselraten
Ohne konkrete Daten tappt man schnell im Dunkeln. Müdigkeit etwa kann viele Ursachen haben – Stress oder Blutarmut statt einer Schilddrüsenerkrankung. Ein Hormontest gibt Klarheit. Sind Ihre Werte normal, wissen Sie sicher: Die Hormone sind nicht das Problem.
Trends verfolgen und gezielt handeln
Hormonwerte ändern sich natürlicherweise im Laufe des Lebens – Testosteron bei Männern sinkt ab 30 jährlich um etwa 1 %, Frauen erleben große hormonelle Schwankungen während der Menopause.
Regelmässige Tests (z. B. jährlich oder halbjährlich) zeigen individuelle Entwicklungen frühzeitig auf. Steigt Dein Cortisol durch Stress? Lässt Deine Schilddrüsenfunktion nach? Regelmässige Checks helfen Dir, rechtzeitig gegenzusteuern und die Wirkung Ihrer Maßnahmen messbar zu verfolgen. Ganz nach dem Motto: Was gemessen wird, wird gemanagt!
Wie machen sich hormonelle Veränderungen im Alltag bemerkbar?
Hormone wirken oft im Verborgenen – aber ihre Schwankungen können wir durchaus spüren. Vielleicht ist es Dir schon aufgefallen: An manchen Tagen bist Du voller Energie, an anderen schlapp und müde, ohne ersichtlichen Grund. Oder Deine Stimmung schwankt plötzlich. Oft stehen hormonelle Veränderungen dahinter.
Hormon-Tests: Welche gibt es und wie funktionieren sie?
Wie findet man nun heraus, ob die Hormone “im Lot” sind? In der Medizin werden dafür Hormontests durchgeführt – meist als Blutuntersuchung. Dabei wird Dir Blut aus der Armvene abgenommen und im Labor auf die Konzentration bestimmter Hormone analysiert. Für jeden Hormonwert gibt es einen Normbereich (Referenzwert), der angibt, welche Konzentrationen bei gesunden Menschen üblich sind. Liegt Dein Wert deutlich darunter oder darüber, spricht man von einem Hormonungleichgewicht.
Besonderheiten bei Frauen
Auch der weibliche Zyklus beeinflusst die Hormonwerte massgeblich. Viele weibliche Hormone schwanken monatlich. Zur Basis-Hormonbestimmung bei Kinderwunsch oder Zyklusstörungen erfolgt die Blutabnahme meist zwischen dem 3. und 5. Zyklustag, wenn Östrogen und Progesteron ihren niedrigsten Stand haben. Prolaktin wiederum misst man bevorzugt zwischen dem 21. und 23. Zyklustag, einige Stunden nach dem Aufwachen.
Wie werden Hormone im Labor gemessen?
Im Labor kommen meist immunologische Methoden zum Einsatz, darunter ELISA, ECLIA oder RIA-Tests. Viele Hormone liegen im Blut nur in winzigen Mengen vor (Pikogramm-Bereich) und sind oft an Transportproteine gebunden. So zirkuliert Testosteron grösstenteils gebunden an Proteine, während nur ein kleiner Teil frei verfügbar ist. Üblich ist daher die Bestimmung des Gesamt-Hormons (frei + gebunden), da die freien Anteile technisch schwieriger direkt zu messen sind.
Ein einzelner Laborwert reicht nicht immer aus, um eine eindeutige Diagnose zu stellen. Ist die Konzentration von Transportproteinen im Blut ungewöhnlich hoch, kann ein Hormonwert niedriger erscheinen, obwohl der biologisch aktive Anteil noch normal ist. Zudem sagt der Hormonwert allein nicht aus, ob tatsächlich eine funktionelle Störung vorliegt. Unsere Ärzte beurteilen Laborergebnisse daher stets im Gesamtzusammenhang
Alternative Methoden: Speichel- und Urintests
Neben Bluttests können Hormone auch in Speichel oder Urin gemessen werden. Speicheltests erfassen in der Regel die freien (biologisch aktiven) Hormone. Ein praktisches Beispiel ist der Cortisol-Tagesprofil-Test im Speichel: Hierbei werden über den Tag verteilt mehrere Speichelproben entnommen, um den Verlauf des Cortisolspiegels zu analysieren. So lässt sich feststellen, ob der Cortisolrhythmus gestört ist, beispielsweise durch einen dauerhaft erhöhten Wert am Abend bei Stresspatienten.
Urintests werden oft eingesetzt, um die Gesamtausscheidung eines Hormons über 24 Stunden zu erfassen.
Ein klassisches Beispiel ist der 24-Stunden-Urin-Cortisoltest bei Verdacht auf das Cushing-Syndrom (Cortisolüberproduktion). Hier sammelt der Patient über einen Tag hinweg seinen Urin, und das Labor misst die Gesamt-Cortisolmenge. Ein deutlich erhöhter Wert spricht für einen Cortisolüberschuss. Auch Abbauprodukte von Hormonen (Metaboliten) lassen sich im Urin nachweisen. Diese alternativen Tests kommen vor allem in Spezialfällen oder in Forschung und Prävention zum Einsatz – in der Routine werden Hormonstörungen meist über das Blut diagnostiziert.
Zusammenfassung
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